Studieren ohne Abi? Klar! Zwei Beispiele aus der Hochschule

Matthias studiert seit Kurzem an der Hochschule Neubrandenburg – dank Zugangsprüfung. Foto: Martin Fröse
Sie ist sich sicher, „du musst nur dafür brennen“. Katrin stellte sich nach 25 Jahren als Krankenschwester einer neuen Herausforderung. Foto: privat

MATTHIAS

„Die Zugangsprüfung ist machbar und eine tolle Gelegenheit für mich gewesen“, erzählt Matthias Gehse im Interview, als wir ihn zu seinem Weg an unsere Hochschule befragen. Der 43-jährige Familienvater ist eigentlich Notfallsanitäter, studiert aber seit Kurzem im Studiengang „Berufspädagogik für Gesundheitsfachberufe (Pflege)“. „In der Schule war ich eine faule Sau“, sagt er ganz offen. Ein Grund dafür, warum er damals kein Abitur gemacht hat. Nach der Schulzeit folgte die Ausbildung zum Zimmermann, dann zum Maurer. Über die Bundeswehr konnte er die Notfallmedizin zu seinem Beruf machen, später zusätzlich eine Dozentenstelle an einer Berufsschule annehmen, doch er wollte auf keinen Fall still stehen bleiben und entschied sich nun für das Studium – auch ohne Abitur.

Zugangsprüfung spart Zeit

Dank seiner beruflichen Vorerfahrung im thematischen Umfeld des angestrebten Studiengangs konnte er nach seiner Onlinebewerbung zur Zugangsprüfung eingeladen werden. „Man bekommt in der Prüfung zwei Themen vorgegeben, sucht sich eines aus und schreibt darüber, ähnlich wie bei einer wissenschaftlichen Facharbeit“, berichtet Matthias, „Das hat mir sogar Spaß gemacht und ich kannte die Situation, weil ich das damals schon für den Praxisanleiter machen musste.“ An zwei Prüfungstagen setzte er sich mit fachspezifischen und aktuellen medizinischen Themen auseinander. Der berufspädagogische Anteil der Prüfung sei für ihn kein Problem gewesen: „Das war für mich, weil ich als Dozent arbeite, geschenkt. Das Wissen hatte ich ja schon.“ Dass es die Zugangsprüfung gibt, finde er klasse: „Wenn es die nicht gäbe, müsste ich nochmal die Schulbank drücken und das Abi nachholen, um studieren zu können. So spare ich natürlich Zeit.“

Andere Prioritäten – Studieren mit 43 sieht anders aus

Zum Studiengang kann er nach dem ersten Semester noch nicht viel sagen. Bisher waren viele Inhalte für ihn eher wiederholend. Die Prüfungsphase lief für Matthias anders als für viele Mitstudierende: „Mit 43 Jahren ist man alt im Vollzeitstudium. Meine jungen Kommilitonen sind eher dazu geneigt, auf den letzten Drücker mit dem Lernen anzufangen. Dann sollte ich schon fertig sein. Ich habe Haus und Hof, zwei Kinder plus Job. Da muss man einfach andere Prioritäten setzen und alles unter einen Hut bekommen.“

 

KATRIN

„Bin ich hier richtig?“

Katrin studiert im dritten Semester Kindheitspädagogik, hat gerade erst vier Prüfungen absolviert. Nach 25 Jahren als Krankenschwester beschloss die Neubrandenburgerin, sich neuen Herausforderungen zu stellen und sich den Themen zu widmen, die sie wirklich interessieren. „Im Krankenhaus ging es ums Leben retten und die Angst es nicht zu schaffen. Jetzt will ich das Leben und den positiven Entwicklungsweg von Anfang an begleiten. Ich wollte mir Fachwissen aneignen, darüber warum Kinder herausforderndes Verhalten zeigen, ob sie wirklich provozieren wollen oder wir schuld daran sind.“

„Ich dachte, ich muss heulen.“

Inzwischen betreut Katrin Kinder mit Handicap, organisiert neben der Arbeit ihr Studium. Dabei nehmen nicht nur Blockwochen Zeit in Anspruch, sondern auch der Lernprozess. „Ich hab‘ mir schon stundenlang Podcasts angemacht und mir Erziehungstheorien von 1900 angehört. Jedes Mal sag‘ ich zu meinen Töchtern, dieses Mal schaff ich’s nicht, aber hier bin ich. Anfangs dachte ich noch, ich muss heulen. Ich hatte keine Ahnung von Technik, am Rechner konnte ich nichts und jetzt schreibe ich meine Hausarbeiten, verschicke Dateien und nutze Power Point.“

Auch ohne Abitur mit Herzblut an der HSNB

Zum Studium kam Katrin durch eine Gasthörerinnenschaft, denn ihre Höhere Berufsfachschulreife aus DDR-Zeiten reichte nicht für eine Zulassung aus. Sie absolvierte zwei schriftliche und zwei mündliche Prüfungen. Insbesondere der schriftliche Teil war für sie eine Herausforderung: „Hätte ich vorher schon in einer KiTa gearbeitet, wäre die Prüfung ohne riesigen Aufwand mit praktischem Vorwissen machbar gewesen. Als Krankenschwester war des schwieriger. Aber ich bin zur Vorbereitung in den Hort gegangen und hab mich da bei Kollegen umgehört, gequatscht und mich zusätzlich in verschiedene Themen eingelesen.“ Am Ende ist sowohl die Zugangsprüfung als auch das Studium selbst offensichtlich eine Frage der Motivation. „Du musst nur dafür brennen“, bestätigt Katrin, „das reicht!“


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