Im Mittelpunkt der Kooperation steht die Verbindung unterschiedlicher wissenschaftlicher Kompetenzen und Infrastrukturen. Die Arbeitsgruppe für Ethnopharmakologie und Zoopharmakognosie am BNITM unter Leitung des ehemaligen HSNB-Wissenschaftlers Dr. Fabien Schultz arbeitet eng mit Prof. Garbe, Prof. Ebert und Prof. Sandmann von der Hochschule Neubrandenburg zusammen.
Die Forschungsgruppe beschäftigt sich mit der Frage, wie Menschen und Tiere natürliche Materialien medizinisch nutzen. Traditionelles Wissen über Pflanzen, Pilze, Insekten und andere Naturstoffe wird dabei mit modernen wissenschaftlichen Methoden verbunden. Zum Einsatz kommen unter anderem pharmakologische Untersuchungen, LC-MS/MS, bioassay-guided fractionation sowie KI-gestützte Verfahren zur Identifizierung potenziell bioaktiver Substanzen.
Internationale Promotionsprojekte in der gemeinsamen Forschung
Wie international diese Zusammenarbeit inzwischen ist, zeigen die beteiligten Nachwuchswissenschaftler*innen.
Der ugandische Doktorand Ivan Kahwa, der mit der Universität Leipzig und der Mbarara University of Science and Technology verbunden ist, untersucht die pharmakologischen Wirkungen von Propolis, Propolis-Nanoemulsionen und Lethocerus-Arten gegen multiresistente Bakterien und Biofilme. Darüber hinaus beteiligt er sich an gemeinsamen Untersuchungen zu Honig und Propolis aus dem Amazonas-Regenwald.
Ein weiteres Beispiel ist Njova Tembo, Doktorand an der Kamuzu University of Health Sciences (KUHES) in Malawi und Mitglied der Forschungsgruppe am BNITM. In seinem Promotionsprojekt untersucht er Heilpflanzen, die traditionell zur Behandlung von Schlangenbissen eingesetzt werden. Betreut wird die Arbeit von Dr. Fabien Schultz und Dr. Benno Kreuels am BNITM.
Auch Dr. Caroline Chiamah, TWAS-DFG-Fellow aus Nigeria, forscht derzeit im Rahmen der Kooperation an der Hochschule Neubrandenburg. Sie untersucht die Wirkmechanismen der kenianischen Arzneipflanze Solanum incanum gegen den Malariaerreger Plasmodium falciparum.
Wissenschaftlicher Austausch über Hochschul- und Ländergrenzen hinweg
Die Kooperation ermöglicht es Nachwuchswissenschaftler*innen, unterschiedliche Labore, Methoden und wissenschaftliche Perspektiven kennenzulernen. Der Austausch findet dabei ganz praktisch zwischen den Standorten statt: Im Sommer arbeiten sechs Studierende und Forschende des BNITM an Projekten an der Hochschule Neubrandenburg, während drei Studierende und Forschende der HSNB am BNITM in Hamburg tätig sind.
Auch Masterstudierende werden frühzeitig in die Forschungsprojekte eingebunden. So führt Joëlle van der Ham derzeit ihre Masterarbeit in Hamburg durch und entwickelt im Rahmen des Projekts SpiriPharm neue Neuroaktivitäts-Assays sowie toxikologische Untersuchungen an menschlichen Zelllinien. Michéle Gnädig, Masterstudentin der Lebensmitteltechnologie, untersucht wiederum antibakterielle, entzündungshemmende und zytotoxische Wirkungen verschiedener Mikroalgenarten. Ihre Experimente verbinden die Hochschule Neubrandenburg, die Universität Leipzig und das BNITM.
Kooperation als Chance für den wissenschaftlichen Nachwuchs
Die Zusammenarbeit zwischen Neubrandenburg und Hamburg zeigt, wie Nachwuchsförderung durch wissenschaftliche Netzwerke konkret gelebt werden kann. Promovierende und Studierende arbeiten institutions- und länderübergreifend zusammen, nutzen unterschiedliche Forschungsinfrastrukturen und bringen ihre jeweiligen fachlichen Perspektiven in gemeinsame Projekte ein.
Gleichzeitig entstehen internationale Forschungsnetzwerke, die weit über die beiden Standorte hinausreichen – von Uganda und Malawi über Nigeria bis in den peruanischen Amazonas. Die Themen reichen von Malaria und multiresistenten Bakterien über die Behandlung von Schlangenbissen bis hin zur Erforschung traditionell genutzter Naturstoffe.
Damit bietet die Kooperation jungen Wissenschaftler*innen nicht nur Zugang zu spezialisierten Methoden und Forschungsinfrastrukturen, sondern auch die Möglichkeit, frühzeitig Teil internationaler und interdisziplinärer Forschungsnetzwerke zu werden.













