Zukunft der Bildungsfachkräfte: Stadt und Land informieren sich an der Hochschule Neubrandenburg über erfolgreiches Inklusionsprojekt

Zwei förmlich gekleidete Männer halten fokussiert aber fröhlich je ein halboffenes Rohr, in dem ein Ball balanciert wird. Hinter ihnen stapeln sich Stühle. An der Wand hinter ihnen befinden sich bunte Punkte, möglicherweise Haftnotizzettel.
In der Inklusionswirkstatt wurden Hochschulrektor Prof. Dr. Gerd Teschke und Oberbürgermeister Nico Klose selbst aktiv. Sie probierten verschiedene Methoden der Bildungsfachkräfte für Inklusion aus. Foto: Martin Fröse
Ein förmlich gekleideter Mann mit blauer Krawatte steht an einem hellen, runden Holztisch, auf dem verschieden große Holzfiguren stehen. Der Mann greift nach einer der Figuren. Hinter ihm befindet sich ein Flipchart mit teils durch die Person verdeckter Schrift. Deutlich wird jedoch, dass es sich um eine Anleitung handelt. Es fallen die Worte Inklusion und Gesellschaft.
Silvio Witt, der Bürgerbeauftragte des Landes, probierte einige Tage vor Nico Klose an die Trainingstools in der Inklusionswirkstatt aus. Foto: Martin Fröse

Inklusion aus erster Hand vermitteln

In der Inklusionswirkstatt der Hochschule erhielten Silvio Witt und Nico Klose an zwei Terminen im Juni und Juli Einblicke in die Arbeit der Bildungsfachkräfte für Inklusion. Menschen mit Behinderungen wurden hier über drei Jahre zu Lehrpersonen qualifiziert. Sie wurden befähigt, Workshops, Seminare und Vorträge zu gestalten - für Hochschulen oder Schulen, aber auch in Unternehmen und öffentlichen Verwaltungen.  Die vier Bildungsfachkräfte für Inklusion  schaffen als Erfahrungsexpert*innen einen Perspektivwechsel, der Inklusion als Umgang mit Verschiedenheit in unserer Gesellschaft greifbar macht.

 

Einmalig im Nordosten – und dennoch ab 2027 in Gefahr

Das Projekt ist im Nordosten Deutschlands einzigartig. Entsprechend groß wäre die Lücke, sollte es nach 2027 auslaufen. Die Finanzierung ist bis dahin gesichert, doch wie es anschließend weitergeht, ist unklar. Besonders problematisch: Die Qualifizierung zur Bildungsfachkraft für Inklusion ist bislang bundesweit nicht als Berufsabschluss anerkannt. Damit wäre für die vier Bildungsfachkräfte das Finden eines neuen Arbeitgebers  schwierig – obwohl ihre Expertise an der Hochschule und weit darüber hinaus stark nachgefragt wird.

 

Politik muss aktiv werden

Während ihres Besuchs lernten Silvio Witt und Nico Klose die Bildungsfachkräfte persönlich kennen und probierten Methoden aus, mit denen komplexe Inklusionsthemen anschaulich vermittelt werden. Zum Beispiel versuchte sich der Bürgerbeauftragte an einem Trainingstool (s. Foto), mit dem erlebbar wird, wie wichtig jeder einzelne Mensch in unserer Gesellschaft ist. Das Team untermauerte damit die Bitte: „Unterstützen Sie unsere Arbeit für eine inklusive Gesellschaft in M-V! Wir brauchen Menschen, die für unsere Arbeit einstehen - im Land und in der Stadt.“ Denn mit dem Ende der Projektförderung steht nicht nur ein erfolgreiches Bildungsangebot für unser Land auf dem Spiel, sondern auch die berufliche Zukunft der Menschen, die hinter dem Projekt stehen. Ob die Politik diese Signale rechtzeitig aufnimmt, bleibt abzuwarten.


Zurück zu allen Meldungen