Der ländliche Raum braucht neue Antworten – Neujahrskolloquium 2026

Ein Redner steht an einem Pult vor einer grünen Tafel. Er trägt einen blauen Anzug und eine blaue Krawatte.
Prof. Dr. Leif-Alexander Garbe, Prorektor für Forschung, Wissenstransfer und internationale Beziehungen, begrüßte die Gäste des Neujahrskolloquium im Hörsaal. Foto: Martin Fröse
Ein Mann steht an einem Rednerpult in einem Hörsaal. Die Kamera befindet sich direkt hinter ihm, wodurch ein Blick auf die grünen Stühle im Hörsaal frei wird. Viele der Plätze sind durch Personen besetzt. Das Publikum hört gespannt zu.
Prof. Dr. Peter Dehne ging in seinem Impulsvortrag unter anderem auf die demografische Entwicklung Mecklenburg-Vorpommerns ein. Foto: Martin Fröse
Fünf Personen sitzen während einer Podiumsdiskussion auf Stühlen in einem angedeuteten Halbkreis. Hinter ihnen befindet sich eine grüne Tafel, vor ihnen sitzt das Publikum auf Hörsaalbänken.
Bei der Podiumsdiskussion äußerten sich Expert*innen zu sich verändernden Strukturen im ländlichen Raum und wie Hochschulen diese positiv beeinflussen können. Foto: Martin Fröse
Drei Personen lächeln freundlich in die Kamera. Der Mann links außen hält einen üppigen Blumenstrauß in der Hand, die junge Frau in der Mitte des Bildes hält eine Urkunde.
Preisträgerin des DAAD-Preises 2025 Agata Maria Kwasniewska (i. d. Mitte) freut sich gemeinsam mit Prof. Dr. Leif-Alexander Garbe und Sabine Fritsche (International Office) über die besondere Auszeichnung während des Neujahrskolloquiums. Foto: Martin Fröse

Schon heute gehört Mecklenburg-Vorpommern zu den Bundesländern mit dem höchsten Durchschnittsalter. Für den Landkreis Mecklenburgische Seenplatte zeichnet sich eine besonders drastische Entwicklung ab: Bis zum Jahr 2040 werden hier voraussichtlich rund 37 Prozent der Bevölkerung über 65 Jahre alt sein. Was das für Mobilität, medizinische Versorgung und soziale Teilhabe bedeutet, stand im Mittelpunkt des diesjährigen Neujahrskolloquiums an der Hochschule Neubrandenburg.

Austausch über Verantwortung und Perspektiven im ländlichen Raum

Unter dem Titel „Wir im ländlichen Raum“ kamen am 29. Januar 2026 Studierende, Lehrende, Praxispartner*innen, kommunale Vertreter*innen, Fördernde und Ehemalige im Hörsaal 1 zusammen. Moderiert wurde die Veranstaltung von Dr. Eric Mülling aus dem Fachbereich Soziale Arbeit, Bildung & Erziehung.

Prof. Dr. Leif-Alexander Garbe, Prorektor für Forschung, Wissenstransfer und internationale Beziehungen, begrüßte die Gäste. In seinem Rück- und Ausblick auf Forschung und Transfer der Hochschule betonte er die besondere Rolle der Studierenden: Sie seien „mit dem Potenzial der Region vertraut“ – und damit ein wichtiger Teil regionaler Entwicklungsprozesse.

Engagement ohne Grenzen? Impuls von Prof. Dr. Peter Dehne

Den fachlichen Schwerpunkt des Nachmittags setzte der Impulsvortrag von Prof. Dr. Peter Dehne aus dem Fachbereich Landschaftswissenschaften und Geomatik. Dehne, der seit den 1990er-Jahren an der Hochschule Neubrandenburg lehrt und forscht, gab einen Einblick in die demografische Entwicklung Mecklenburg-Vorpommerns und der Seenplatte. Diese habe konkrete Folgen: der Umbau der Daseinsvorsorge, der steigende Druck auf Kommunen sowie Fragen nach medizinischer, pflegerischer und sozialer Versorgung. Gleichzeitig stellte Dehne klar, dass freiwilliges Engagement allein diese Herausforderungen nicht auffangen könne. Für eine nachhaltige Entwicklung brauche es verlässliche Strukturen und staatliche Verantwortung auf Landes- und kommunaler Ebene.

Mit Blick auf Zuwanderung in ländliche Regionen stellte er die zentrale Frage: Welche Bedingungen müssen geschaffen werden, damit Menschen bleiben – oder neu dazukommen? Bildung, Kultur, Freizeitangebote und soziale Infrastruktur seien dabei entscheidende Faktoren.

Podiumsdiskussion: Was Hochschulen konkret beitragen können

In der anschließenden Podiumsdiskussion diskutierten Expert*innen aus Wissenschaft und Praxis, wie ländliche Räume zukunftsfähig gestaltet werden können. Prof. Dr. Benjamin Nölting von der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde betonte, dass es keine Patentlösungen gebe: „Wir müssen Projekte finden, die individuell zur Region und zu den Menschen passen“. Der ehrenamtliche Bürgermeister der Stadt Gartz (Oder), Luca Piwodda, brachte die Perspektive junger Kommunalpolitik in die Diskussion ein und schilderte die Herausforderungen und Bedürfnisse seiner Stadt. Mit Projekten wie regelmäßigen Bürgersprechstunden setzt er gezielt auf mehr Transparenz und aktive Bürgerbeteiligung im kommunalen Alltag.

Prof.in Dr. Christine Krüger von der Hochschule Neubrandenburg verwies auf die besondere Rolle der sozialen Arbeit. Eine zentrale Herausforderung sei es, Methoden zu entwickeln, die Menschen im ländlichen Raum unabhängig von ihren finanziellen oder sozialen Ressourcen erreichen.

Deutlich wurde auch: Viele Kommunen stehen finanziell unter massivem Druck. Gleichzeitig übernehmen Ehrenamtliche immer häufiger Aufgaben, für die eigentlich professionelle Strukturen nötig wären – etwa in der Integrationsarbeit. Hier, so der Tenor, könnten Hochschulen durch Wissenstransfer, soziale Angebote und innovative Kooperationen einen wichtigen Beitrag leisten.

Internationales Engagement sichtbar machen: DAAD-Preis 2025

Ein weiterer Höhepunkt des Neujahrskolloquiums war die Verleihung des DAAD-Preises 2025. Ausgezeichnet wurde Agata Maria Kwasniewska, Studentin der Lebensmitteltechnologie im fünften Semester. Der mit 1.000 Euro dotierte Preis würdigt internationales Engagement und besondere Leistungen im kulturellen Austausch. Die Jury hob hervor, dass Kwasniewska mit ihrem Einsatz das internationale Miteinander an der Hochschule nachhaltig bereichert.

Ausklang mit Raum für Gespräche

Nach dem offiziellen Teil nutzten viele Teilnehmende die Gelegenheit zum persönlichen Austausch bei Snacks und Getränken im oberen Foyer von Haus 1. In entspannter Atmosphäre wurden Diskussionen vertieft, neue Kontakte geknüpft und Ideen weitergesponnen – ganz im Sinne eines Kolloquiums, das nicht nur informieren, sondern verbinden will.


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