Handbuch: Abschluss- und Projektarbeiten
Professur Gesundheitsökonomie & Medizinmanagement HS Neubrandenburg
Prof. Dr. Axel C. Mühlbacher

Dieses Handbuch unterstützt Sie Schritt für Schritt bei der Planung, Durchführung und Ausarbeitung wissenschaftlicher Arbeiten. Es bietet kompakte Orientierung, praxisnahe Tipps und klare methodische Hinweise für Abschluss- und Projektarbeiten.
Zusätzlich informiert es über konkrete Unterstützungsangebote, etwa zur Zusammenarbeit mit Praxispartnern sowie zu Förder- und Finanzierungsmöglichkeiten.
Nutzen Sie den Leitfaden als strukturierte Hilfe, um Ihre Arbeit sicher, effizient und auf wissenschaftlichem Niveau umzusetzen.
1. Vorbetrachtung: Leitfaden zur Durchführung wissenschaftlicher Arbeiten an der Hochschule Neubrandenburg in der Professur für Gesundheitsökonomie und Medizinmanagement
Dieser Leitfaden definiert die grundlegenden wissenschaftlichen und methodischen Leitlinien für die Planung und Durchführung empirischer Arbeiten im Rahmen von Abschluss- und Projektarbeiten (einschließlich Forschungsarbeiten) an der Hochschule Neubrandenburg, Professur für Gesundheitsökonomie und Medizinmanagement. Er dient der Sicherstellung einer verantwortungsvollen, methodisch angemessenen und ethisch vertretbaren Anwendung wissenschaftlicher Methoden, insbesondere im Hinblick auf die Beteiligung von Probandinnen und Probanden in der Feldforschung. Qualitative und quantitative Feldforschung stellen zentrale, jedoch nicht zwingend notwendige Elemente wissenschaftlicher Arbeit dar. Sie wird nur dann durchgeführt, wenn die gewählte Forschungsfrage mit theoretischen oder literaturbasierten Methoden nicht hinreichend beantwortet werden kann. Die Entscheidung über die Notwendigkeit, Angemessenheit und Ausgestaltung empirischer Erhebungen liegt in der Verantwortung der Studierenden sowie der betreuenden Professorinnen, Professoren und Fachgutachterinnen bzw. Fachgutachter. Beide Parteien sind verpflichtet, die methodische Eignung, die ethische Vertretbarkeit und die Durchführbarkeit im vorgesehenen Zeit- und Ressourcenrahmen kritisch zu prüfen und nachvollziehbar zu dokumentieren. Ausgangspunkt jeder empirischen Arbeit ist die Problemstellung, aus der die Forschungsfrage und – daraus abgeleitet – die geeignete Methode hervorgehen. Dabei gilt das Prinzip der Verhältnismäßigkeit der Methodenwahl:
- Zunächst ist zu prüfen, ob eine reine Literaturarbeit mit theoretischer oder konzeptioneller Fundierung eine hinreichende Bearbeitung der Fragestellung erlaubt.
- Ist dies nicht der Fall, kann eine empirische Ableitung aus der Literatur erfolgen, etwa durch die Entwicklung von Modellen, Hypothesen oder Messkonzepten.
- Erst wenn diese Ansätze keinen ausreichenden Erkenntnisgewinn ermöglichen sind qualitative oder quantitative Primärerhebungen gerechtfertigt. Qualitative Verfahren dienen der explorativen Analyse von Bedeutungs- und Handlungsstrukturen, quantitative Verfahren der Überprüfung explizit formulierter Hypothesen.
Für alle empirischen Arbeiten gilt das Prinzip der Angemessenheit: Es dürfen nur diejenigen Daten erhoben werden, die zur Beantwortung der Forschungsfrage zwingend erforderlich sind. Erhebungsinstrumente sind auf das notwendige Minimum zu begrenzen – insbesondere hinsichtlich Länge, Komplexität und Anzahl der Items. Befragungen und Interviews sind so zu gestalten, dass sie die Belastung der Teilnehmenden minimieren. Vulnerable Gruppen, insbesondere Patientinnen und Patienten, dürfen nur in begründeten Ausnahmefällen einbezogen werden. Der Einschluss von Teilnehmenden bedarf stets einer nachvollziehbaren ethischen Begründung. Vor jeder Primärdatenerhebung ist zu prüfen, ob der Forschungszweck durch Sekundärdaten, öffentliche Register, offene Datensätze oder eine erweiterte Literaturauswertung bereits erfüllt werden kann.
2. Zweck, Geltung, Prinzipien
Dieses Handbuch beschreibt den End-to-End-Prozess für Bachelor-, Master- und Projektarbeiten (Praktikum, Forschungsprojekt) im Umfeld von Gesundheitsökonomie, Entscheidungsanalyse, ökonomischer Evaluation und Medizinmanagement inklusive einer potenziellen Zusammenarbeit mit Unternehmen, Organisationen oder Netzwerken.
Wissenschaftliche Qualität (Methodenrigor, Reproduzierbarkeit)
Praxisrelevanz (klarer Nutzen/Impact)
Transparenz (Dokumentation, Versionierung, Rollen)
Datenschutz & Ethik (DSGVO, Ethik-Votum nach Bedarf)
Begleitdokumente werden im Text referenziert (»Dokument X«):
Dokument 1 – Themenliste (Vorlage)
Dokument 2 – Flyer Kooperation
Dokument 3 – Kommunikationsleitfaden
Dokument 4 – Exposé Leitfaden
Dokument 5 – Checkliste Studierende (bis Exposé)
Dokument 6 – Prozessbeschreibung, Durchführung & Betreuung
Dokument 7 – Prozessüberblick (Gesamtdokument)
Dokument 8 – Arbeits-/Zeit- & Kommunikationsplan (16 Wochen-Beispiel)
Dokument 9 – Checkliste Mentor:in (Unternehmen)
Dokument 10 – Checkliste Betreuende (Hochschule)
Dokument 11 – Anforderungen an die Prüfungsleistung
Dokument 12 – Checkliste Studierende (Durchführung & Abgabe)
Dokument 13 – Bewertungsrichtlinien & Kriterien
Dokument 14 – Checkliste Bewertung (Hochschule)
Dokument 15 – Checkliste Beratende Stellungnahme (Unternehmen, optional)
Dokument 16 – Publikationsoptionen & Richtlinien
Dokument 17 – Checkliste Studierende (Publikation)
Dokument 18 – Checkliste & Prozess Ethikkommission
Dokument 19 – Checkliste Studierende (Ethik)
Dokument 20 – Leitfaden zum Einsatz von KI
Dokument 21 – Checkliste Fördermöglichkeiten für Studierende
3. Übersicht & Gates
Die Betreuung von Abschluss- und Projektarbeiten folgt einem strukturierten Prozess, der in klar definierte Meilensteine („Gates“) unterteilt ist. Jede Phase dient der Sicherstellung von Transparenz, Verbindlichkeit und planbarem Fortschritt für alle Beteiligten (Hochschule, Praxispartner und Studierende). Die nachfolgende Tabelle gibt einen Überblick über die einzelnen Gates sowie die jeweils erwarteten Ergebnisse. Eine detaillierte Erläuterung der Inhalte erfolgt in den folgenden Kapiteln.
4. Themenfindung & Start
Ziel. Passendes Thema mit erkennbarem Nutzen für Praxis und Wissenschaft wählen; Kooperationspartner (optional) gewinnen; Kommunikationsspielregeln festlegen.
Schritte.
Themenkatalog nutzen (Dokument 1) oder individuellen Vorschlag formulieren (Kurzskizze nach Tabelle in Dokument 1).
Kooperation anfragen (optional): Nutzung des Flyer-Texts (Dokument 2) und ggf. Versand an Unternehmen/Forschungseinrichtungen.
Kommunikationsregeln fixieren: Kanäle, Reaktionszeiten, Protokolle, Eskalation gemäß Kommunikationsleitfaden (Dokument 3).
Ergebnisse.
Themenblatt (Titel, Problem, Forschungsfrage, Methode, Daten, Ansprechpartner:innen) auf Basis Dokument 1
Zusage der Praxispartner (falls Kooperation) – Rollen & Mentor:in gemäß Dokument 9
Kommunikationsvereinbarung nach Dokument 3
5. Exposé-Phase
Ziel. Das Exposé als verbindlicher Fahrplan (Frage, Methode, Daten, Timing, Risiken, Impact) erstellen und freigeben.
Schritte.
Exposé erstellen nach Leitfaden (Dokument 4).
Eigen-Check mit Checkliste Studierende (bis Exposé-Freigabe) (Dokument 5).
Review Hochschule (Dokument 10) und Feedback Praxis (Dokument 9) einarbeiten.
Gate B – Freigabe durch Hochschule (und Praxis).
Ergebnisse.
Exposé (3–5 Seiten) inkl. Zeitplan & Risiken (Dokument 4)
Freigabeprotokoll (kurz; vgl. Dokument 3 Protokollvorlage)
6. Planung & Organisation
Ziel. Klare Planung von Zeit, Meilensteinen, Rollen; Ethik- und Datenschutzfragen entscheiden; Arbeitsmodus festlegen.
Schritte.
Gesamtdesign & Meilensteine nach Prozessbeschreibung (Dokument 6) und Prozessüberblick (Dokument 7).
Zeit- & Kommunikationsplan konkretisieren (16-Wochen-Beispiel: Dokument 8) – bei Projektarbeiten mehrsemestrig adaptieren.
Rollen bestätigen:
- Mentor:in (Unternehmen) gemäß Checkliste 9
- Hochschule/Betreuung gemäß Checkliste 10
Ethik-Entscheidung (Gate B+): Prüfen, ob ein Ethik-Votum benötigt wird
- Wenn ja: Antrag einreichen (vor Datenerhebung); s. Kap. 3.3.
- Wenn nein: dokumentierte Begründung ablegen.
6.1 RACI (Kurz).
- Studierende: R/A (Erarbeiten, Termine, Abgabe)
- Mentor:in Unternehmen: C/I (Praxis-Feedback, Daten, Relevanz)
- Hochschule (Mühlbacher-Team): A/C (Methodik, Qualität, Abnahme)
6.2 Arbeitsmodus & Doku.
- Versionierung (z. B. Projekt_Typ_v1.1), gemeinsame Ablage (Owncloud HS NB/Moodle), Protokolle (Dokument 3).
6.3 Ethik-Votum HS Neubrandenburg (Gate B+).
- Wann nötig? Primärdaten mit Personen, sensible personenbezogene Daten, Interviews/Experimente, besondere Unternehmensdaten; Details Dokument 18/19.
- Wo/Wie einreichen? Ethikkommission HS Neubrandenburg; Antrag mit Checkliste/Unterlagen per E-Mail an ethikkommission@hs-nb.de; vollständige Hinweise, Checkliste/Downloads und Kontakt auf der HS-Website.
7. Durchführung der Arbeit
Ziel. Geplante Methode sauber umsetzen, Ergebnisse belastbar machen,
Dokumentation/Reproduzierbarkeit sicherstellen.
Schritte.
Anforderungen an die Prüfungsleistung beachten (Dokument 11).
Durchführung strukturieren:
- Datenzugang/NDA/DSGVO absichern (Dokument 5/9/10/18)
- Methoden-Setup (Entscheidungsbaum, Markov, DCE, VOI etc.)
- Sensitivität & Robustheit (deterministisch/probabilistisch)
Zwischenstände kommunizieren gemäß Dokument 8 (Jour fixe /Abstimmungstermine, Review-Zyklen).
Selbst-Check Studierende (Durchführung & Abgabe) (Dokument 12).
Prüfung von Finanzierungsmöglichkeiten bei Anschaffungen oder Reisekosten (Themen- und Zielabhängig) (Dokument 21).
Gate C → D.
8. Bewertung
Ziel. Transparente, faire, einheitliche Bewertung auf Basis definierter Kriterien.
Schritte.
Kriterien/gewichtete Matrix anwenden (Dokument 13).
Hochschul-Checkliste Bewertung durchführen (Dokument 14).
Optionale Praxis-Stellungnahme (Dokument 15) einholen.
Gate E – Abgabe & Benotung: Formale Endfassung + zusätzliche Dokumente einreichen (Dokument 11/12); Note dokumentieren.
Ergebnisse.
Bewertungsmatrix (ausgefüllt) · Feedbackbrief · Archivierung gemäß Ordnung (Dokument 14)
9. Publikation & Abschluss
Ziel. Überführung geeigneter Arbeiten in Publikationen (Journal/Working Paper) oder Konferenzbeiträge; Sichtbarkeit und Wissenstransfer.
Schritte.
Publikationspfad wählen (Dokument 16): Journalaufsatz, Working Paper, Konferenz (DGGÖ/ISPOR/ISOQOL etc.).
Manuskript aus Ausarbeitung entwickeln (15–25 Seiten, Journal-Style), Autorschaft nach GSP klären, Rechte/Embargo (NDA) beachten.
Checkliste Studierende – Publikation (Dokument 17) abarbeiten.
Gate F – Submission: Cover Letter, Upload, Tracking; Response-to-Reviewers.
Ergebnisse.
Publikationsmanuskript und geforderte Unterlagen durch Journal, Cover Letter, ggf. Datencode-Anhang (Open Science empfohlen; s. Dokument 16)
10. Rollen & Verantwortlichkeiten (erweitertes RACI)
| Rolle | Verantwortung (A) | Durchführung (R) | Konsultation (C) | Information (I) |
| Studierende | Termin- & Ergebnisverantwortung | Exposé, Analysen, Ausarbeitung, Manuskript, Abgabe | - | Mentor:in, HS |
| Mentor:in | - | Daten-/Praxisinput, Reviews | Ja | HS, Studierende |
| Hochschule (Professur Mühlbacher) | Qualität/Methodik, Abnahme | Reviews, Bewertung | Ja | Unternehmen |
| Ethikkommission HS NB | - | - | - | Ergebnis/Votum an Antragstellender |
11. Nachweise (Phase → Dokumente)
Thema/Start:Dokument 1 (Themenblatt), Dokument 2 (Flyer), Dokument 3 (Kommunikation)
Exposé:Dokument 4 (Leitfaden), Dokument 5 (Studierenden-Check), Gate B- Freigabe
Planung: Dokument 6 & 7 (Prozess), Dokument 8 (Zeit/Kommunikation), Dokument 9/10 (Rollen)
Ethik (falls nötig):Dokument 18 (Check & Prozess), Dokument 19 (Richtlinie/Einreichung) – Einreichung per E-Mail an ethikkommission@hs-nb.de, Termine/Kontakt auf HS-Website.
Durchführung & Abgabe:Dokument 11 (Anforderungen), Dokument 12 (Studierenden-Check)
Bewertung:Dokument 13 (Matrix), Dokument 14 (HS-Check), Dokument 15 (Praxis-Stellungnahme, optional)
Publikation:Dokument 16 (Optionen), Dokument 17 (Studierenden-Check)
12. Qualitätssicherung & Compliance
Methodenrigor: Passung Frage↔Methode; Sensitivitäts-/Robustheitsanalysen (Dokument 11/12/13).
Reproduzierbarkeit: Code, Parameter, Datenbeschreibung; strukturierte Ablage (Dokument 3/8/11).
Datenschutz/DSGVO: NDA/Ethik-Pflichten prüfen (Dokument 5/9/10/18/19).
Ethik-Konformität: Antragstaugliche Vorhaben & Verfahren gem. HS- Vorgaben (Checkliste, Antragstellung, Sitzungstermine).
13. Kurzcheck »Brauche ich ein Ethik-Votum?«
Ja, wahrscheinlich, wenn: Primärdaten mit Personen; sensible personenbezogene Daten; Interviews/Experimente; besondere Unternehmensdaten; Beobachtung in Versorgung; therapeutische Zielsetzung.
Eher nein, wenn: reine Literaturarbeit; vollständig anonymisierte, frei verfügbareDaten.
→ Bei Unsicherheit Dokument 18/19 nutzen und Betreuende ansprechen (Gate B+).
