Dietrich Roepke

Erinnerungen zur Beringung von Fischadlern

1980 habe ich mit der Beringung angefangen. Das hat natürlich auch alles eine Geschichte. Es gab damals ja den Arbeitskreis zum Schutze der vom Aussterben bedrohten Tiere, angesiedelt bei der Akademie. In diesem Arbeitskreis war für jede vom Aussterben bedrohte Art ein Mitarbeiter installiert: für den Fischadler Karl Heinz Moll, für den Seeadler Günter Oehme, für den baumbrütenden Wanderfalken Horst Schröder. Dieser Arbeitskreis kam jedes Jahr irgendwo zu einer Tagung zusammen, und so auch 1960. Ich glaube, das war drei Jahre nach der Gründung, in Eggesin. Moll und Schröder war ja schon bekannt, dass ich ein Auto habe und ich habe mich bereit erklärt, diese beiden Mitarbeiter des AKSAT nach Eggesin zu fahren. Ich habe auch an der Tagung teilgenommen und ab sofort praktisch jede Tagung mitgemacht. So war ich schon klammheimlich, still und leise als Mitglied des Arbeitskreises anerkannt, aber nicht offiziell. Es kam dann so, dass Moll ausschied und ich mich nun vorher auch schon um den Fischadler bemüht hatte. Moll konnte schon nicht mehr. Ich bin dann die Fischadlerhorste in meinem Bereich hier im Kreis Waren abgestiegen und habe festgestellt, wie viel Eier, wie viel Junge, aber ohne zu beringen. Die Beringungserlaubnis war damals noch nicht genehmigt. Moll hatte 1960 bis 1963 eine Beringungsgenehmigung für den Fischadler von der Vogelwarte Helgoland. 1964 machte sich die DDR auch davon „störungsfrei“ und gründete die Beringungszentrale Hiddensee. Damit war die Beringungsgenehmigung für Moll wieder verschwunden. Vom Staatlichen Komitee aus war damals festgelegt, dass vom Aussterben bedrohte Arten nicht beringt werden dürfen. Ich habe bei jeder Tagung des Arbeitskreises den Antrag auf Beringungsgenehmigung für die Fischadler gestellt. Ich bin ja ohnehin gestiegen und bei der Gelegenheit könnte ich doch auch einen Ring anlegen. Das wurde 1980 endlich genehmigt. Vorher wurde nicht beringt. Ich habe aber schon Bestandserhebungen gemacht – leider für Moll, der aber nicht registriert hat wo. So sind die 1960er Jahre bei der Dokumentation der Fischadler hier im Kreis Waren fast verloren. Seit 1980 hatte ich die Genehmigung zum Beringen. Gleichzeitig bekam Peter Hauff in Schwerin die Genehmigung, den Fischadler beringen zu dürfen. Wir hatten beide die ersten Beringungsgenehmigungen für die Fischadler. Selbst beringt habe ich fast ausschließlich bis zum Jahr 2000. Dann hat der Energieversorger gesagt: „Tut uns furchtbar leid, aber unsere Leute dürfen in dem Alter schon nicht mehr auf die Leitung. Und da können wir Sie auch nicht mehr lassen.“ Das hat mir ein bisschen weh getan, aber ich habe glücklicherweise sowohl auf der Mittelspannung als auch auf der Hochspannung Mitarbeiter gefunden, die das weitermachen. Insofern ist da kein Loch entstanden. Peter Hauff und ich waren die einzigen Beringer der DDR, wobei Hauff hat steigen und beringen lassen.

Für die Standorte waren keine exakten Ortsangaben genehmigt, um die Plätze zu schützen. Selbst in der Beringungszentrale, wo registriert wurde, welcher Vogel wann und wo den Ring gekriegt hat, war die Kreisstadt der Bezugsort für den Brutplatz des Fischadlers. Im Laufe der Zeit hat sich das wesentlich geändert. Wir hatten natürlich unsere genauen Plätze, aber in der Beringerliste war die Kreisstadt der Bezugsort. Das mag bei Fernfunden nicht viel ausmachen, aber bei Nahfunden! Bei Nahfunden ging das nicht auf. Inzwischen ist es auch so, dass wir ganz explizit sekundengenau die Brutplätze angeben, auch für die Landwirtschafts- und Forstbetriebe, damit die wissen, was sie wann, wo, wie dürfen. Insofern hat sich das geändert.

Literatur zum Weiterlesen

Roepke, Dietrich. In: Behrens, H. unter Mitarb. von B. Ziese: Lexikon der Naturschutzbeauftragten. Band 1: Mecklenburg-Vorpommern. Hrsg. vom Institut für Umweltgeschichte und Regionalentwicklung e.V., Friedland 2007: 352 f.

Behrens, H. und Hoffmann, J. (Hg..): Naturschutzgeschichte(n) – Lebenswege zwischen Ostseeküste und Erzgebirge. Friedland 2013.

Zur Person

geboren 1928 in Waren (Müritz)

Lehre und Beruf als Rundfunkmechaniker; 1954 Meisterprüfung, 1955 bis 1994 selbständig als Rundfunk- und Fernsehtechnikermeister in Waren

besondere Verdienste um die Betreuung der See- und Fischadler- Brutplätze im Kreis Waren und darüber hinaus; Fachberater bzw. Tonmeister bei zahlreichen Tier- und Naturfilmproduktionen; 1961 bis 1964 Naturschutzhelfer; 1964 bis 1990 Kreisnaturschutzbeauftragter Kreis Waren (Müritz)