SoFRiED - Social Work and the Far Right in European Democracies

Deprofessionalisierung von rechts. Eine vergleichende Studie in Deutschland, Österreich und Ungarn

Die Veränderungen wohlfahrtsstaatlicher Prinzipien, die neoliberale Sozialpolitik, die zunehmende Ökonomisierung und Prekarisierung sowie der Fachkräftemangel verursachen Deprofessionalisierungstendenzen in der Sozialen Arbeit. Diese zeigen sich durch Schwächung der Strukturen, Kompetenzen oder Autonomie der Profession. Darüber hinaus wirkt sich der europaweit und global wachsende Trend zu rechtsautoritärem und antidemokratischem Denken und Handeln zunehmend destabilisierend auf die Professionalität der Sozialen Arbeit aus – trotz international abgestimmter professionstheoretischer und -ethischer Standards gegenüber menschenfeindlichen und Ungleichheit befördernden Positionen. 

Die Mixed-Methods-Studie SoFRiED erforscht und vergleicht extrem rechte Einflussnahmen auf die Soziale Arbeit in den EU-Staaten Deutschland, Österreich und Ungarn unter Einbeziehung der jeweiligen wohlfahrtsstaatlichen Kontextbedingungen. Auf Basis zweier systematischer, länderspezifischer Untersuchungen zum Thema aus Deutschland – für Nordrhein-Westfalen: Gille/Jagusch (2018), für Mecklenburg-Vorpommern: Gille/Krüger/Wéber (2022) – wird analysiert, welche Wirkungen extrem rechte Akteure, Netzwerke, Diskurse und Politiken auf die Soziale Arbeit entfalten. Das Projekt umfasst drei länderspezifische Teilstudien mit je drei methodischen Bausteinen: einen quantitativen Online-Fragebogen, themenzentrierte Einzelinterviews mit Fachkräften der Sozialen Arbeit sowie die Analyse parlamentarischer Dokumente. Die in den drei Bausteinen gewonnenen textförmigen Daten werden durch eine Medienrecherche ergänzt und kontextualisiert und in einer inhaltlich-strukturierenden Inhaltsanalyse explizierend und strukturierend ausgewertet. 

Erkenntnisleitend sind folgende Fragen:

  • In welcher Form zeigen sich die Einflussnahmen der extremen Rechten in der Sozialen Arbeit in den EU-Staaten Deutschland, Österreich und Ungarn?
  • Wie wirken sich die Einflussnahmen auf die wohlfahrtsstaatliche Architektur und auf sozialpolitische Maßnahmen aus, welche den Rahmen für die  Soziale Arbeit auf nationalstaatlicher Ebene bilden?
  • Inwieweit zeigen sich Deprofessionalisierungsprozesse von rechts und Einschränkungen demokratischer Mitbestimmungsmöglichkeiten der professionellen Fachkräfte in betrieblichen Kontexten?
  • Inwieweit erkennen und benennen die professionellen Fachkräfte extrem rechte Einflussnahmen als solche im Berufsalltag?
  • Welche professionellen Ansätze, Gegenstrategien und institutionalisierten Antworten werden in der Profession (Fachverbände, Interessenvertretungen, Zivilgesellschaft), der Ausbildung und Praxis Sozialer Arbeit im Umgang mit extrem rechten Einflussnahmen formuliert?

Projektlaufzeit: 02/2025 - 01/2027
Förderer: Hans-Böckler-Stiftung