Das SoFRiED Forschungsvorhaben
Erkenntnisinteresse
Angesichts des jüngsten Rechtsrucks in mehreren europäischen Demokratien werden Fragen hinsichtlich der Auswirkungen extrem rechter Diskursverschiebungen, Handlungen und Haltungen auf sozialstaatliche Prinzipien und damit auch auf die Soziale Arbeit als Profession, als theoriegeleitete und forschungsbasierte Praxis und als akademische Disziplin relevant.
Soziale Arbeit steht in mehreren EU-Ländern vor der Herausforderung, im Umgang mit der Regierungspolitik ihren Diskurs, ihre Dienste, Institutionen und Praktiken zu verteidigen, die sich an menschenrechtsorientierten, professionellen, ethischen, theoretischen und transnational vereinbarten Standards orientieren (IFSW, 2014, 2018).
Das Forschungsprojekt Social Work and the Far Right in European Democracies (SoFRiED), das von der deutschen Hans-Böckler-Stiftung finanziert und von der Hochschule Neubrandenburg koordiniert wird, liefert vergleichende empirische Erkenntnisse über den Einfluss der extremen Rechten auf die Soziale Arbeit in den drei EU-Staaten Ungarn, Österreich und Deutschland. Die Projektlaufzeit ist vom Februar 2025 bis Januar 2027.
Rechtsextreme/extrem rechts agierende Parteien haben in diesen Staaten unterschiedliche politische Macht erlangt: Sie agieren entweder als Oppositionspartei (die AfD in Deutschland), sind an Landesregierungen beteiligt (die FPÖ in Österreich) oder sind Teil der Regierung und des Parlaments (die Regierungskoalition in Ungarn, bestehend aus der Partei Fidesz – Ungarischer Bürgerbund (116 Abgeordnete im Parlament) und der Christlich-Demokratischen Volkspartei (19 Abgeordnete im Parlament), seit 2010 an der Regierungsmacht; sowie die (offiziell) oppositionelle, extrem rechts positionierte Partei „Unsere Heimat“ mit sechs Abgeordneten im ungarischen Parlament).
Methodik
Nach der Konzeption eines gemeinsamen Fragebogens in Deutschland, Österreich und Ungarn wurde im Sommer 2025 in allen drei EU-Ländern eine quantitative Erhebung mittels LimeSurvey durchgeführt mit Fokus auf die Erscheinungsformen extrem rechter Einflussnahmen auf die bzw. in der Sozialen Arbeit aus Sicht von Fachkräften.
Im zweiten methodischen Teil des Forschungsprojekts wurden problemzentrierte Interviews (Witzel, 2000) mit Sozialarbeitern aus möglichst vielen Handlungsfeldern in ausgewählten Ländern und Regionen durchgeführt, wobei ein Schwerpunkt auf ländlichen Gebieten lag.
Eine dritte Komponente umfasst die Analyse von Parlamentsdokumenten extrem rechts agierender Parteien, die sich mit Fragen befassen, die zum Gegenstandsbereich der Sozialen Arbeit zählen. In Deutschland und Österreich umfasst der Untersuchungszeitraum vier Jahre (2021 bis 2024), um politische Veränderungen in der Zeit nach Covid sowie aktuelle singuläre Diskurse der extremen Rechten zu erfassen. Die Dokumentenanalyse für Ungarn umfasst den Zeitraum von 2010 bis 2024, um die aktuelle (zweite) Amtszeit der Orbán-Regierung widerzuspiegeln, wobei der Schwerpunkt auf Änderungen des Verfassungs- und Sozialrechts sowie der Sozialpolitik liegt. Die in den drei Komponenten gewonnenen textbasierten Daten werden anhand einer erklärenden und strukturierenden Inhaltsanalyse nach Kuckartz und Rädiker (2023) ausgewertet.
