Die Erfahrungen der Konferenz LABOR.A in Berlin 2025 zeigen, dass eine intersektionale Perspektive auf Gerechtigkeit, die eine faire Teilhabe von marginalisierten Gruppen, den Abbau von Diskriminierung, inklusive Bildung, migrations- und geschlechtergerechte Politiken sowie wirksame Partizipation in Entscheidungsprozessen einschließt, produktiv sein kann, um wirksame Veränderungen anzuregen. Nicht erst, wenn Rechte formell anerkannt sind, sondern durch konkrete strukturelle Veränderungen in Institutionen, Rechtsrahmen und Alltagspraktiken wird Gerechtigkeit dauerhaft erreichbar.
Die ersten Befunde des Forschungsprojekts SoFRiED aus Österreich und Deutschland wurden von Christoph Omann, Eric Mülling und Júlia Wéber bei der Konferenz vorgestellt und im Rahmen eines Workshops mit dem interessierten Publikum diskutiert.
Die Frage nach Zugangs- und Verteilungsgerechtigkeit zeigt eine besondere Relevanz für die Praxis Sozialer Arbeit im Umgang mit extrem rechten Akteur:innen: Wenn Menschen aufgrund von (zugeschriebenen) Merkmalen aus der Gruppe der sogenannten förderungswürdigen Personen intentional, strategisch und systematisch ausgeschlossen werden, handelt es sich um das Phänomen der exklusiven Solidarität. Exklusive Solidarität bezeichnet Formen von Zusammenhalt und Unterstützung, die nur bestimmte Gruppen oder Identitäten einschließen und andere absichtlich ausklammern und ablehnen.
Formen exklusiver Solidarität zeigen sich im empirischen Material des Projekts SoFRiED in Deutschland vielfach. Wenn junge Menschen, die nicht in Deutschland geboren und/oder aufgewachsen sind, nicht an einem Sport- oder kulturellen Angebot teilnehmen können, das prinzipiell als für alle offen beworben wird; oder wenn bestimmte Individuen oder Gruppen ein Beratungsangebot erhalten, dessen Qualität und Reichweite – für bestimmte Nutzer:innen – bewusst eingeschränkt wird, dann wird an Praxen exklusiver Solidarität angeknüpft, Ausschlüsse werden produziert.
Das Projektteam dankt allen Workshopteilnehmenden für ihre Rückmeldungen zu Gerechtigkeitsfragen in ihrer Praxis der Sozialen Arbeit bzw. im Sozialwesen im Rahmen des SoFRiED-Workshops auf der Konferenz LABOR.A.
Veranstalter: Hans-Böckler-Stiftung
