14.12.2020: 25 Jahre Studiengang Lebensmitteltechnologie an der Hochschule Neubrandenburg

Studierende machen sich mit den spezifischen Eigenschaften von Lebensmitteln im Ernährungswissenschaftlichen Labor vertraut
Studierende erlernen von Prof. Bolenz wie man aus Milch verschiedene Molkereiprodukte herstellen kann
Studierende produzieren im Fleischpraktikum eine Brühwurst
Studierende stellen im Milchpraktikum Käse her

Seit mittlerweile einem Vierteljahrhundert werden Ingenieur*innen der Lebensmitteltechnologie an der Hochschule Neubrandenburg ausgebildet. Das praxisnahe und vielseitige Studium bereitet die Studierenden auf spannende Berufe in den unterschiedlichsten Zweigen der Lebensmittelbranche (und darüber hinaus!) vor. Die Absolvent*innen produzieren und untersuchen Lebensmittel - von „A“ wie Apfelsaft bis „Z“ wie Zucchinigemüse und sichern so die Versorgung der Bevölkerung. Lebensmitteltechnolog*innen aus der Vier-Tore-Stadt arbeiten aber auch in Untersuchungslaboren, in pharmazeutischen Unternehmen, bei Maschinenherstellern und in der Lebensmittelüberwachung. Die Aufgaben reichen von der Produktentwicklung, über die Produktion, das Qualitätsmanagement bis zum Vertrieb und der Anwendung. Zudem finden sich einige ehemalige Studierende in der Forschung. Fabien Schultz ist Absolvent der Hochschule und arbeitet derzeit in Neubrandenburg als Nachwuchswissenschaftler. Dabei untersucht er Heilpflanzen, Insekten und Pilze, die von Schimpansen und Berggorillas zur Selbstmedikation eingesetzt werden. Zudem beschäftigt er sich in seiner Doktorarbeit mit noch nicht erforschten Heilpflanzen von traditionellen ugandischen Heiler*innen. "Durch meine interdisziplinäre Ausbildung an der Hochschule Neubrandenburg, meine innovative Herangehensweise und vor allem die Unterstützung von Professor Garbe sowie des Fachbereiches und der Hochschule im Allgemeinen, konnte ich mich erfolgreich auf dem Nischengebiet der Ethnopharmakologie in Deutschland etablieren. Ich habe in den letzten Jahren ebenfalls als Gast-Wissenschaftler in Universitätslaboren im In- und Ausland gearbeitet und festgestellt, dass wir in Hinblick auf unsere Hochschullabore den Vergleich keineswegs scheuen müssen, hier oftmals sogar moderner ausgestattet sind."

Dass heute ein solches Spektrum an Jobperspektiven hinter den Mauern der Hochschule steckt, begann einst mit der wegweisenden Analyse des Landes: Die Lebensmittelbranche war und ist ein bedeutsamer Wirtschaftsfaktor, aber es fehlte in MV ein Studiengang für den entsprechenden Ingenieurnachwuchs. Die Lebensmitteltechnologie in Neubrandenburg anzusiedeln, folgte daher einer logischen Konsequenz. Der Studiengang der Agrarwirtschaft war bereits fest etabliert und leistete hervorragende Starthilfe bei den ersten Praktika in der Chemie und in der Rohstoffkunde. Im Jahr 1995, das Geburtsjahr des Studiengangs Lebensmitteltechnologie an der Hochschule Neubrandenburg, gab es nämlich noch keine eigenen Labore für die angehenden Ingenieur*innen. Um das Praktikum in der Verfahrenstechnik durchzuführen, musste die Studiengruppe gar nach Dresden an die dortige TU reisen. Eine solch lange Reisen ist Dank der heutigen Lehrbedingungen zum Glück nicht mehr notwendig.

Mit dem Bau des Zentrums für Lebensmitteltechnologie in der Seestraße (heute ZELT - Zentrum für Ernährung und Lebensmitteltechnologie) konnten erstmals Fachräume und Labore für die studentische Ausbildung angemietet werden und Projekte in Kooperation mit der regionalen Lebensmittelwirtschaft mit moderner Technik bearbeitet werden. Heute liegt das ZELT in den Händen von Stadt und Hochschule. Professor Dr. Leif-Alexander Garbe ist für die geschäftliche Leitung verantwortlich und zudem Prorektor für Forschung, Wissenstransfer und Internationale Beziehungen an der Hochschule.

Im Jahr 2001 konnte das Laborgebäude Haus III gemeinsam mit anderen Studiengängen bezogen werden. Seitdem zeugen eine Vielzahl von Kooperationen und Forschungsprojekten über die wegweisenden Aktivitäten auf regionaler, bundesweiter und internationaler Ebene. Ein Spiegel dieses Erfolgs sind auch und vor allem Studierende, die nicht nur das Studium erfolgreich gemeistert haben, sondern sich und damit die Hochschule Neubrandenburg in Wissenschaft und Industrie präsentieren. Sabrina Mann hat den Bachelor und den Master an der Hochschule Neubrandenburg absolviert und steht kurz vor ihrem Abschlusskolloquium. Obwohl die gebürtige Pfälzerin zunächst Zweifel hatte, ob sie für das Studium in den weit entfernten Norden ziehen soll, hat sie den Schritt gewagt. „Ich finde es toll, dass sich mir mit diesem Studium so viele Möglichkeiten bieten. Aktuell arbeite ich im Diedrich-Bonhoeffer-Klinikum in der PCR-Diagnostik für COVID-19. Hier kann ich mein Wissen aus dem Modul Gentechnologie praktisch anwenden. Durch die vielen Praktika habe ich auch sicheres Gefühl, eigenständig im Labor zu arbeiten, da ich viele Handgriffe bereits kenne. Für mich war das Studium die bislang beste Entscheidung meines Lebens.“ Einen eher klassischen Weg in die Lebensmittelbranche hat dagegen ihre Kommilitonin Pauline Alms gewählt. Sie arbeitet bei einem Lebensmittelkonzern an ihrer Masterthesis. „Das Studium hat einen großen Praxisbezug durch die Labor- und Technologiepraktika. Trotzdem werden in den ersten Semestern wichtige Grundlagen vermittelt und viel Wert auf wissenschaftliches Arbeiten gelegt. Durch das Praxissemester können wir früh Kontakte zur Industrie knüpfen. Für den Start ins Berufsleben ist das immens hilfreich. Ich fühle mich sehr gut auf künftige Aufgaben vorbereitet - das zeichnet diesen Studiengang für mich aus.“

Bedingt durch die aktuelle Corona-Situation sind die Feierlichkeiten auf das nächste Jahr verschoben worden. Dann freuen sich Aktive und Ehemalige auf ein großes Wiedersehen und einen regen Austausch über das spannende Studium und neue Entwicklungen.