Praktikum in Rom

Laura Stützer, Studentin der Landschaftsarchitektur, verbrachte ihr Praktikumssemster in Rom zu einer Zeit, in der Italien von der Corona-Pandemie am stärksten betroffen war. Hier berichtet sie von ihren Erlebnissen.

Die Idee, mein Praxissemester im Ausland zu absolvieren, war schon sehr früh präsent. Gleich zu Beginn des 5. Semesters begann ich mit den Bewerbungen in Italiens Hauptstadt. Allerdings vergingen über 5 Monate, bis ich durch die Hilfe von Professoren und Bekannten eine Zusage im botanischen Garten in Rom bekam. Bewerbungen meinerseits per Mail, Telefon oder Post blieben leider alle unbeantwortet. Dennoch hatte ich die Hoffnung bis zuletzt nicht aufgegeben und wurde dann mit einer tollen Praktikumsstelle belohnt. Das ERASMUS Programm war finanziell eine große Hilfe. Dabei reagierte das International Office sehr schnell und stand mir zur Seite. Später wurde auch mein Antrag auf Auslands-BAföG bewilligt. Einen Umzug von Neubrandenburg nach Rom innerhalb von zwei Wochen zu organisieren und durchzuführen, war definitiv keine leichte Aufgabe, doch der sonnige Empfang in Rom entschädigte dafür.

Die Erkundung der historischen Parks war eine meiner liebsten Beschäftigungen. Reiche und alte Baumbestände in weitläufigen und gut gepflegten, historischen Szenerien waren ein beeindruckender Anblick. Schön zu sehen war auch, wie sehr die Einheimischen dieses Angebot nutzen und die historischen Anlagen mit Leben füllen. An den Nachmittagen und Wochenenden zieht es die Römer in Massen in die Parks, um zu joggen, gemeinsam Tai Chi zu praktizieren, sich mit Hundegruppen zu treffen, sich einfach nur eine Picknickdecke auszubreiten und Siesta zu machen und vieles mehr. Das historische Umfeld kann bei all den Aktivitäten schon mal in den Hintergrund geraten, da es zur Normalität gehört und einfach darin gelebt wird.

Auch meine Praktikumsstelle hat als ehemaliger Besitz des Vatikans eine geschichtsträchtige Vergangenheit. Teile der historischen Stadtmauer rahmen den am Hang des Hügels Gianicolo gelegenen Garten ein. Durch die Steigung gestalten sich die Arbeitswege zwar steil, aber ein Blick über Rom vom höchsten Punkt des Gartens aus schafft ein malerisches Arbeitsumfeld. Die Mitarbeiter freuten sich über Zuwachs und die Sprachbarriere hinderte die kontaktfreudigen Italiener nicht daran, das Gespräch zu suchen und mich aufzunehmen. Die Bereitschaft, ihre Englisch-Grundkenntnisse wieder herauszukramen oder sich auch mit Händen und Füßen zu verständigen, erleichterte mir das Ankommen, da ich ohne jegliche Italienisch-Kenntnisse in das Praktikum startete. Gleich zu Anfang wurde ich mit meiner Hauptaufgabe betraut, den japanischen Garten zu kartieren und eine Karte zu erstellen.  Aber auch Kunstprojekte, Veranstaltungen und vieles mehr kreuzten meinen Weg im botanischen Garten.

Einige Tage nach meinem Praktikumsbeginn kam der gefürchtete Lockdown aufgrund von COVID-19. Nach Absprache mit meinem Praktikumsbetreuer hielt ich mein Arbeitsgebiet im botanischen Garten durch zahlreiche Fotos, Videos, Notizen und Zeichnungen fest, um am nächsten Tag ins Homeoffice übergehen zu können. Da meine Arbeit zum Großteil am eigenen Laptop stattfand, war dies kein Problem, trotzdem hatte ich es mir natürlich anders vorgestellt. Dieser Zustand zog sich durch die gesamte Dauer meines Praktikums. Nachdem die Ausgangssperre gelockert wurde und ich das Stadtviertel wieder verlassen durfte, konnte ich an einigen Treffen im botanischen Garten teilnehmen, dennoch verbrachte ich die meiste Zeit im Homeoffice. Trotz allem funktionierte die Kommunikation während dieser Zeit sehr gut und ich konnte mit meinem Praktikumsbetreuer die gesteckten Ziele erreichen und tolle Kartierungen, Karten usw. erarbeiten.

Fasziniert hat mich der Umgang mit der Pandemie nicht nur an meiner Praktikumsstelle, sondern auch in der gesamten Stadt war ein großer Zusammenhalt zu spüren. Fenster wurden von bunten Plakaten geschmückt, auf denen „andrà tutto bene“ (alles wird gut gehen) stand, Nachbarschaftshilfe war kein Fremdwort und obwohl vor den Supermärkten Wartezeiten von über einer Stunde keine Seltenheit waren, war es selbstverständlich, älteren Menschen den Vortritt zu lassen. Von Missmut oder Ärger war kaum etwas zu spüren. Ich konnte Menschen auf Dachterrassen joggen sehen, andere die ihre Gespräche aus dem Fenster über den Innenhof hinweg führten oder Menschen, die die Zeit nutzten, um bei lauter Musik längst fällige Renovierungsarbeiten anzugehen, auch Singen und Musizieren war ein weit verbreitetes Phänomen. Jeder versuchte die Umstände in etwas Positives umzuwandeln.

Rückblickend würde ich trotz Pandemie und Lockdown wieder das Praktikum in Italien wählen. Die Zeit hat mir eine ganz andere Kultur und Arbeitsweise nähergebracht, was mich sicherlich auch für die Zukunft geprägt hat. Solche Erfahrungen kann man auf keinem Lehrplan finden, nur wer das Abenteuer wagt, darf die Welt aus anderen Blickwinkeln kennen lernen.

Laura Stützer