



Ich bin mitten in der Hochschule Neubrandenburg aus einem Ei geschlüpft, ehrlich. Meine Mutti hatte nämlich ihr Nest unter einem schützenden Busch direkt im Innenhof des großen Hauptgebäudes unserer Hochschule gebaut. Sie glaubte, dass wir hier besonders sicher sind.
Meine ersten Schwimmversuche machte ich dann im kleinen Wassergraben inmitten einer fröhlich schwatzenden Schar junger Leute. Das waren Studentinnen und Studenten. Alle schauten zu und klatschten Beifall. Mann, war ich stolz!


Allerdings wurde es mir und meinen acht Geschwistern bald zu eng, denn den Wassergraben hatten wir längst erkundet, und zu fressen gab es auch nicht so viel. Aber es kam noch viel schlimmer: Wir ahnten gar nicht, wie gefährlich es für uns wurde, denn im großen Baum hatten Elstern ihr Nest gebaut. Irgendwie konnten die uns nicht leiden und hackten auf uns Kleinen herum. Mutti, ich und meine Geschwister mussten hier weg, hinaus in die große weite Welt. Mutti erzählte uns oft von dem schönen großen See, der ganz in der Nähe sein soll. Da wollte sie mit uns hin.
Silke arbeitete damals in der Hochschule. Sie half uns dabei. Ich erinnere mich noch, welche Mühe sie sich gab und wie sie noch einige Leute um Hilfe bat. Das war aufregend! Wir wollten nämlich nicht so gern durch das große Haus laufen. Stellt euch vor, ich und meine Geschwister wurden eingefangen. Heute weiß ich ja, warum. Damals fand ich das nicht so toll. Wir waren auch ganz schön flink, so leicht ließen wir uns nicht fangen. Dann wurden wir in einem Karton auf das Dach des Hochschulgebäudes getragen, damit meine Mama endlich den Wassergraben verlässt und uns nachfliegt. Oh, dabei wurde mir ganz anders, ich bin nämlich nicht schwindelfrei! Meine Mama war vielleicht aufgeregt, aber sie kam dann zu uns geflogen. Silke und die anderen Helfer hatten Mama vom Dach aus zur anderen Hausseite auf den Weg in Richtung Oberbach gelotst, und wir wurden in der Zeit zum Oberbach gebracht. Und dort nahm uns Mutti vor Freude unter ihre Flügel, weil sie uns alle gesund wieder bei sich hatte.
Jetzt lebe ich schon eine Weile auf dem großen Tollensesee. Die schöne Zeit auf dem Campus werde ich trotzdem nie vergessen.